Heute habe ich eine sehr seltene Schrift von Hermann Zapf in das Online-Magazin eingestellt, die Sistina.
Die Größe dieses Schriftschnittes wird mit 48/36 p angegeben. Das bedeutet: Das Schriftbild beträgt 48 p, aber gegossen wurde eben dieses Schriftbild auf einen Kegel von 36 p. Es handelt sich bei der Bleisatz-Version der Sistina um eine reine Versalien-Schrift. Der niedrigere Kegel erlaubt es, mehrere Zeilen kompress untereinander zu setzen.
Hermann Zapf entwarf diese Schrift im Jahr 1950 aufgrund seiner Studien von Inschriften in Rom. Zunächst war der Name Aurelia für diese Schrift vorgesehen, die eine fette Ergänzung der Zapf-Schrift Michelangelo darstellt. Im Jahr 1951 wurde sie als Bleischrift von der Schriftgießerei D. Stempel AG, Frankfurt am Main, auf den Markt gebracht. Eine vollständige Übersicht aller Zapf-Schriften finden Sie HIER.
Diese Informationen habe auch ich zunächst recherchieren müssen. Bis auf den Schriftnamen und den des Entwerfers war mir die Schrift unbekannt. Fündig wurde ich auf der Netzseite von Linotype, die auch noch weitere Informationen über später entwickelte digitale Ergänzungen zu dieser Schrift anbieten. So wurden z.B. gemeinsam mit Hermann Zapf Gemeine zur Sistina entworfen. Diese waren bei der Bleisatz-Version gar nicht vorgesehen. Ich bin oft skeptisch, wenn digitale Typographen, die ganz sicher ihr Handwerk beherrschen, meinen, in den digitalen Versionen von Bleisatz-Schriften „Verbesserungen“ vornehmen zu müssen. Ich empfinde das schlicht als anmaßend. Wer sind diese handwerklich geschickten Typographen? Und wer ist Hermann Zapf? Aber in diesem Fall ist das natürlich etwas anderes. Eben, weil der Meister selbst involviert war.
Hermann Zapf gehört zu den deutschen Schriftgestaltern, die uns seit vielen Jahrzehnten die schönsten Schriften schenken. Er ist einer der ganz Großen, die für mich außerhalb der Kritik eines normalsterblichen Typographen stehen. Ich jedenfalls bin nicht so vermessen, sein Werk zu kritisieren. Aber auf eine Würdigung möchte ich Sie noch aufmerksam machen, die Martin Z. Schröder am 24. Dezember 2008 zu Hermann Zapfs 90. Geburtstag für das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung schrieb: KLICK — vielen Dank auch an MZS für dessen Erlaubnis, seinen Artikel in meinem Tagebuch-Eintrag zu verwenden.