Derzeit hole ich gerade eine halbe Garnitur von 20 p bis 96 p einer sehr sehr schönen Antiqua-Schrift aus den Kästen der Eremiten-Presse. Entworfen hat die Schrift im Jahr 1910 eine wahre Koryphäe unter den Entwerfern von Bleisatz-Schriften seiner Epoche. Leicht zu erkennen: Dies ist eine Romanische Antiqua — schauen Sie sich das Versal-R an mit seinem exorbitant großem Bauch. Unter diesem Namen wurden solche Antiqua-Schriften damals vermarktet. Die Romanischen waren mehr oder weniger eine Modeerscheinung des beginnenden 20. Jahrhunderts. Jede mir bekannte Schriftgießerei warf eine oder auch mehrere dieser Romanischen auf den Markt. Nur sehr wenige — mir fallen spontan nur zwei ein, ragten aus dieser Vielfalt heraus, eine davon zeige ich hier. Natürlich stehen die Lettern auf dem Kopf, denn sie sind ja auch seitenverkehrt abgebildet. (Ich liebe diese Erklärung und lasse sie ohne nähere Erläuterung so stehen.)
Wenn alle Schnitte ausgehoben, geprüft, sortiert und ins Online-Magazin einstellt sind, werde ich noch einen ausführlichen Artikel über die Schrift und ihren Entwerfer verfassen. Das wird irgendwann Anfang nächster Woche soweit sein. Bis dahin möchte ich aber von Ihnen, liebe Leser, wissen, um welche Schrift es sich handelt. Die Abbildungen zeigen übrigens das, was man idealerweise zum Klassifizieren einer Bleisatz-Schrift braucht: Die Versalien A, G und Q, dann ein, zwei Ziffern, sowie vielleicht ein Gemeines-g. Viel Spaß beim Suchen. Der Kollege Lars Kähler zeigt die Schrift auf seiner Netzseite Global Type übrigens auch. Wobei Sie Glück haben, ein Gemeines-g als Vorlage zu haben, denn das Fachbuch „Der Seemann“, auf dem die dort gezeigten Schriften beruhen, bildetete immer nur das Wort „Hamburg“ ab.