Meine Lagerhalle verfügt über 28 Palettenplätze in den Hochregalen. Dann ist der Hallenboden frei und macht hat viel Platz zum rangieren mit „Ferdinand“. Das ist mein Elektro-Hubwagen. Der heißt so. Ferdinand ist sehr wichtig für mich. Wir haben uns ganz am Anfang unserer Beziehung vor zwei Jahren über Grundsätzliches unterhalten: Er darf nicht kaputt gehen, denn ich bin nicht in der Lage, ihn zu reparieren und habe auch nicht das Geld, um so eine Reparatur zu bezahlen. Meine Hochregale sind jedoch fast sechs Meter hoch. Fällt Ferdinand aus und ein Kunde kauft einen Satzschrank, dann wette ich darauf, daß es ein Schrank aus dem obersten Regal ist. Und ohne Ferdinand... Im Gegenzug bekommt Ferdinand jede Nacht eine Dröhnung an der Steckdose, einmal wöchentlich Batteriewasser und ab und an ein Tröpfchen Öl für die Gelenke. Ferdinand? Ach so... ja, also so hieß der Tiger-Panzer, dem mein Vater bei der Schlacht am Orel als Panzergrenadier zugeteilt war. Ja, ja... ich hör' ja schon auf. Heute muß Ferdinand auf seine Dröhnung verzichten. Die Halle ist voll. Ich komme mit ihm nicht durch bis zum Ladegerät. Da muß er jetzt mal durch.
Der angekündigte 40 Tonner kam fast pünktlich. Avisiert für 11—12 Uhr, fuhr er um 16 Uhr auf den Hof. Der Fahrer hatte eine alte Software auf seinem Navi. Joh... kann passieren. Solche großen Lkw sind, scheint mir, fast rund um die Uhr im Einsatz. Ein kurzes Hallo, ein kurzer Schnack, während der Fahrer die Seiten-Lamellen abnimmt, dann wird abgeladen. Erst mal alles runter vom Bock, schnell, schnell. Er muß heute noch nach Hagen, 17 Tonnen Stahl laden und dann noch einen möglichst bewachten Parkplatz auf einem Rasthof finden, wo er schlafen kann. Als er wieder fuhr, war es dunkel. Und statt der 22 Paletten standen 24 Paletten auf dem Hof.
26 von meinen 28 Paletten-Stellplätzen waren schon belegt. Auf dem Hallenboden standen noch einmal vier Paletten mit Schränken herum, die ich entweder noch bearbeiten muß oder die auf das Ende der Ebay-Auktion warten — ich verkaufe derzeit zwei mit Ölfarbe angemalte Schrägpult-Schränke dort. Trotzdem: Die 24 Paletten müssen da noch rein, komme, was wolle. Auf dem Hof können sie über Nacht nicht stehen bleiben, da würden sie Flügel bekommen und morgen früh wären sie weg. Stelle ich sie provisorisch irgendwo in die Gänge, bekomme ich Stress mit den Gabelstaplerfahrern von Bagel. Naja, kann man auch verstehen. Wird schon irgendwie gehen... Ist doch alles für die gute Sache: Bleisatz... arghhhh... 24 Schränke. Ca. 11 Tonnen Material. Mnjam... Am Wochenende werde ich stöbern.
Ich habe die Paletten übereinander gestapelt. Das ist ziemlich unprofessionell. Ein Schrank ist auch prompt umgekippt. Er hängt jetzt mit ca. 300 kg Gewicht verkantet auf halber Höhe. Nur ein nerviges, kein unlösbares Problem. Aber weil ich zum einen sehr müde bin vom Verbringen der 11 Tonnen in die Halle und zum anderen alleine, war mir das zu gefährlich. Wenn was passiert, muß jemand in Rufweite sein, um zu helfen oder Hilfe zu holen. Das mache ich morgen. Man muß... ehm... nein, nochmal: Ich muß einfach nur aus Spanngurten eine Hängevorrichtung bauen und die mit Schlaufen an den vier Enden der Palette befestigen. Dann ziehe ich den Schrank wie an einem Galgen mit einer der Gabeln des Staplers hoch und bugsiere ihn auf den Hallenboden. Da er fest eingestretcht ist, passiert auch den Lettern nichts — übrigens Helvetica. Solche Malheure passieren mir immer nur mit Helvetica, ich weiß nicht, warum.
Man kann nicht sehen, was in den Schränken ist. Ich habe die Folie mancher Schränke ein bißchen gelöst, Helvetica, Futura Buch in kleinen und großen Graden. Die Helvetica in allen möglichen Versionen, leider keine Leichte, da habe ich eine Vorbestellung hier liegen. Die Arbeitsplatten haben wir dagelassen. Alles, was vom Euro-Paletten-Standard abweicht, kostet beim Transport immens mehr. Genau deshalb sitzen die Schränke nun auch ein bißchen wackelig übereinander. Wenn Klaus, mein Schlepper, das sieht, macht er mir wieder Stress und meckert, ich sei unvorsichtig. Aber ich bin nun mal kein geborener Lagerist. Und anders ging es diesmal halt nicht.
Liebe Leser: Ich bin hungrig, ich bin müde und mir tut jeder Knochen weh. Aber es geht mir gut: Ich lebe und habe neuen Bleisatz :-)
Also dann... bis morgen.