Wenn jeder Tag wie heute verlaufen würde, wäre der Bleisatz-Verkauf richtiger Stress. 20 Prozent der Schriftschnitte, die ich gestern eingestellt habe, sind bereits verkauft. Es war doch richtig, diese Schriften in die Rubrik für die Buchbinder einzustellen und darauf hinzuweisen, daß die Umfänge der Schnitte aus Sicht eines Setzers oder Druckers relativ klein sind. Es stellte sich heraus, daß einige Drucker-Kunden das überhaupt nicht stört, weil sie die relativ seltenen Schriften immer nur als Auszeichnung für eine Zeile benötigen. Mir soll es recht sein, ich habe heute sehr gut verkauft. Hier noch einmal die erwähnten Schriften: KLICK MICH. Das Bild zeigt Geschenk-Kartons mit Goldprägung und einem Bogen marmorierten Papiers zum Verpackten von Winkelhaken, die Pater Meinrad einmal für mich hergestellt hat.
Auch heute habe ich wieder zwei Schriftschnitte der Eremiten-Presse eingestellt: Eine 60 p Neuzeit-Grotesk als schmalhalbfette und als schmalfette Version. Die Neuzeit-Grotesk wurde auch unter dem Namen Zeitungsgrotesk vermarktet, eine klare, gut lesbare Grotesk mit einer sehr interessanten Ziffer 3, wie ich meine. 60 p ist ungewöhnlich, das sind immerhin 22,5 mm. Was sie bei den Eremiten wohl mit diesen großen Schriftgraden gemacht haben? Da war ja auch die 72 p fette Fraktur (bereits verkauft) und irgendwo habe ich sogar noch zwei Kästen mit einer 84 p Tannenberg gesehen — sehr ungewöhnlich.
Ansonsten habe ich heute nebenher Bestellungen verpackt. Das Bauen der Pakete mit dem Bleisatz ist eine Wissenschaft für sich. Ich bekam schon zu hören, daß ich keine Pakete, sondern Tresore verschicke.
Aber auch bei mir passiert so manches Malheur. So hatte ich einen Setzkasten mit bestimmt zwei 1/2 Minima verpackt und mit Hermes nach Berlin geschickt. In der Hoffnung, daß die von mir als Deckel fixierte Abdeckplatte ein verfischen der Lettern verhindern würde. Ein Fisch ist ein Letter, der in ein falsches Fach abgelegt wurde. Ein verfischter Setzkasten eine große Nervenbelastung für jeden Setzer. Nun, der gesamte Inhalt hat sich im Paket gelöst und alle Lettern lagen in einem großen Haufen im Paket. Die vorgebrachte Reklamation mußte ich wohl oder übel akzeptieren. Schließlich liegt es in meiner Verantwortung, daß ausgelieferte Ware in gutem Zustand beim Käufer ankommt. Wir werden es nun so machen, daß eine Aushilfe die ca. 8 kg Schrift manuell aufstellt und in einen Setzkasten sortiert, Aufwand: ca. 3,5 Stunden, die zu meinen finanziellen Lasten gehen. Volle Brotschrift-Setzkästen zu verpacken und zu versenden, ist ein echtes Problem.
Morgen und übermorgen werde ich nicht arbeiten. Naja, jedenfalls nicht offiziell. Ich habe mit einem Buchdruck-Freund eine Stempel-Garamond aus meinem privaten Bestand gegen eine Johannes Wagner-Garamond aus seinem Bestand getauscht. Somit kann ich in der nächsten Woche in meiner Schriftensammlugn auch die Johannes Wagner-Garamond zeigen. Diesen Tausch werde ich morgen vorbereiten. Die Stempel-Garamond aus der Steckschrift-Schublade holen und verpacken. Ansonsten warte ich das Wetter ab. Ist es so schön wie heute, werde ich einmal wieder einen längeren Spaziergang über ein paar Stunden machen. Ist das Wetter schlecht, habe ich mir einen Lesetag vorgenommen. Aber auch morgen und übermorgen werde ich kurze Berichte hier ins Tagebuch schreiben. Nur, daß es dann wohl nicht um Bleisatz geht. Ein Thema habe ich schon. Es sei aber nur soviel verraten: Ich habe mir einen Wok besorgt.