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Lo wie Louis Oppenheim


28.11.2009

 Louis Oppenheimer war Werbegraphiker und entwarf auch wunderschöne Schriften. Im Jahre 1913 schuf er die Lo-Schrift für die Schriftgießerei Berthold AG in Berlin. Schon vor einigen Jahren war es mir gelungen, eine Lo-Kursiv zu bekommen und einen Andruck in meine Schriftensammlung aufzunehmen. Heute nun folgt der gerade Schnitt. Eindeutig geprägt vom Jugendstil, war diese eigenwillige Schrift hervorragend für Werbezwecke geeignet. Louis Oppenheim entwarf übrigens auch Plakate für Persil aus dem Hause Henkel in Düsseldorf. Louis Oppenheim starb im Alter von gerade einmal 57 Jahren 1936 in Berlin.

Den Name „Lo-Schrift“ entnahm er seinem Kürzel „Lo“, mit dem er auch seine Plakate und Bilder signierte. Louis Oppenheim war einer von uns, ein Druckvorstufen-Kasper, ein Mann der Praxis, der unter anderem auch Schriften entwarf — neben seiner Tagesarbeit als Werbegestalter und Maler.

Die Lo-Schrift wurde von der Berthold AG digitalisiert. Ich meine mich zu erinnern, daß die Lo und die Block die ersten Bleisatz-Schriften waren, die Erik Spiekermann in den siebziger Jahren für Berthold digitalisierte. Erik Spiekermann gehört zu den erfolgreichsten Schriftentwerfern und -vermarktern der heutigen Typographie-Szene. In den siebziger Jahren war er als Buchdrucker und Schriftsetzer tätig und arbeitete auch für Berthold. Erik ist Kunde des Bleisatz-Magazins — ein völlig unarroganter und hilfsbereiter Kollege, den ich menschlich schätze und einiges verdanke.

 Hier finden Sie bei Interesse noch mehr Schriften von Louis Oppenheim: KLICK.

Den 20 p Schriftschnitt der Lo biete ich derzeit im Online-Magazin an. Heute Nachmittag habe ich noch schnell einen kompletten Zeichensatz abgesetzt und angedruckt, um diesen Andruck irgendwann in den nächsten Tagen zu scannen und in die Schriftensammlung aufzunehmen.

Dort, in der Schriftensammlung, finden Sie schon einen Scannder Lo-Kursiv.


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Kommentare
1.     gab es viele juden unter den schriftenentwerfern?
  — E. Weber · 15. 10. 2009 ·
 
2.     Das weiß ich nicht. Der Anteil der Juden im Verhältnis zur deutschen Gesamtbevölkerung lag 1933 bei etwas unter 1 Prozent. Das Verhältnis wird in der Graphischen Industrie entsprechend gewesen sein.
Aber das Thema hat mich nie interessiert.
Die Frage erscheint mir auch seltsam hintergrundlos.
  Georg Kraus · 15. 10. 2009 ·
 
3.     Mir erscheint die Frage nicht so weit hergeholt. Der Anteil der Deutschen mit jüdischen Wurzeln wird in der Gebrauchsgrafik höher gewesen sein. In den Erinnerungen von Viktor Klemperer aus Dresden und Georg Witkowski (http://www.lehmstedt.de/rezensionen/rez_witkowski_4.htm) aus Leipzig (letzterer hatte enge freundschaftliche Verbindungen zu Walter Tiemann und dem Kollegium der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe [heute Hochschule für Grafik und Buchkunst]) wird ja deutlich, wie die jüdischstämmigen Akademiker und Künstler verfolgt wurden. In der Buchkunst spielten Künstler wie Thomas Theodor Heine, Max Liebermann, Walter Trier (Illustrator der Bücher von Erich Kästner); Professor Hugo Steiner-Prag (Leipzig, wird 1933 entlassen) eine große Rolle. In den Bibliophilen-Gesellschaften waren natürlich sehr viele Mitglieder mit jüdischen Wurzeln, all die Juristen, Ärzte, Wissenschaftler, Bankiers und Künstler in Wort und Bild, die am geistigen Leben Deutschlands nicht nur teilhatten, sondern es prägten. Den Anteil von "Juden" und "Ariern" an den schriftkünstlerischen Arbeit Anfang des 20. Jahrhunderts kenne ich nicht. Mit Sicherheit lag der Anteil der "Juden" proportional zur Bevölkerung über dem der "Arier". Wie ist L. Oppenheim eigentlich zu Tode gekommen? Die ersten Progrome setzten ja unmittelbar nach der "Machtergreifung" ein. Im Internet finde ich nichts über Oppenheims Leben und Sterben. Die Frage, ob es viele jüdischstämmige Schriftentwerfer gab und was nach 1933 aus ihnen wurde, würde den Verlust, den die deutsche Buchkunst durch den Nationalsozialismus erlitten hat, noch deutlicher machen. Sie ist ja durch das Niederprügeln der "Entarteten", die Schließung des Bauhauses, den Rückzug oder gar den Weggang von vielen Buch- und Schriftkünstlern übel gebeutelt worden. Und auch durch die "militärische Verwendung" großer Schriftzeichner. Wäre ein Thema für eine interessante Diplomarbeit, aber vielleicht gibt es so etwas ja auch schon.
  Martin Z. Schröder · 16. 10. 2009 ·
 
4.     Den Erstkommentar hatte ich ?abgebügelt?, weil er mir als ?Troll-Kommentar? erschien. Ein Troll ist lt. Weltnetz-Definition eine Person, der es nicht um den sachlichen Inhalt seines Kommentars geht, sondern nur darum, Unfrieden zu stiften, auf bösartige Art und Weise Streit zu provozieren. Dem wollte ich vorbeugen, denn in meiner Gegenwart wird, egal ob virtuell oder im wirklichen Leben, kein Jude beleidigt werden. Gerade für mich als bekennend national denkender Mensch sehe ich hierzu eine besondere Verpflichtung, Flagge zu zeigen.

Mit Verlaub ? ich halte Ihren Denkansatz grundsätzlich für falsch. Die künstlerischen Leistungen der von Ihnen genannten Personen stehen außer Frage. Sie waren mit prägend für die Kultur dieser Epoche in unserem Deutschland. Aber Ihr Gedanke setzt ja voraus, daß sie eben dies als Juden taten. Was ich stark bezweifel. Sie ware Deutsche. Und halt auch Juden. Viele mögen sich sogar von ihrem Glauben abgewandt haben ? eine damals wie heute nicht unübliche Verhaltensweise bei Künstlern und Intellektuellen der unterschiedlichsten Religionen. Der Atheismus war und ist en vogue. Selbst gläubige Juden unter diesen Künstlern sahen ihr Schaffen doch vermutlich nicht als ?Jüdische Kunst?, sondern sich als Kunstschaffende. Ihr Glaube spielte keine Rolle.

Ich sehe sogar eine Gefahr in Ihrem Denkansatz. Er impliziert ja, daß es eine ?Jüdische Kunst? gab. In Form der Kunstform eines besimmten Volkes, hier halt des jüdischen? Dies wäre ausgrenzend gegenüber den Juden in Deutschland der damaligen Zeit, denn es schafft ja automatisch die beiden Gruppen Juden und Deutsche oder Juden und Arier. Und schon sind wir im ärgsten Schlamassel. ?Jüdische Kunst? wäre für mich z.B. eine spezielle Innenarchitaktur einer Synagoge oder die Gestaltung einer Thora-Rolle. Nicht jedoch das Entwerfen einer Schrift.

Zu den statistischen Zahlen: Lt. Geo Epoche vom Gruner+Jahr Verlag, dort das Heft Nr. 20 ?Das Judentum? lag die Prozentzahl jüdischer Ärzte, Rechtsanwälte, Bankiers, Bankangestellter im Großraum Berlin bei 50?65 Prozent. Als ich das Heft vor einigen Jahre las, habe ich diese Zahlen nicht glauben wollen. Man kann sie aber im Weltnetz bestätigt finden. Ich glaube nicht, daß diese Zahlen auch im Graphichen Gewerbe der damaligen Zeit zu finden sind. Nein: Ich weiß, daß es nicht so ist.

Mir ist am liebsten, z.B. den von Ihnen zitierten Klemperer als das zu sehen, was er bis zu unseren unseligen 12 Jahren Diktatur war: Ein deutscher Patriot, der im Ersten Großen Weltnbrand tapfer sein Leben für sein deutsches Volk eingesetzt hat und der danach ein braver Bildungsbürger unseres Deutschen Reiches war. Für mich selbst wünsche ich mir ganz konkret die Charakterstärke eines Ernst von Salomon, deutscher Nationalist und Nationalrevolutionär, der mit völliger Selbstverständlichkeit 1934 die jüdische Ehefrau eines Freundes als seine eigene Frau ausgab und sie so bis nach '45 schützte. Danach kamen sie dann beide für zwei Jahre in ein U$-amerikanisches Konzentrationslager in Süddeutschland. Aber das ist eine andere Geschichte. So möchte, will, werde auch ich handeln, wenn es notwendig würde.

P.S.: Nach dem Verbleib von Louis Oppenheim hatte ich auch recherchiert ? leider vergebens. Vielleicht weiß einer der Leser mehr?
  Georg Kraus · 16. 10. 2009 ·
 
5.     Von "Juden" spreche ich nur in Anführungszeichen, eben weil ich ja um die Säkularisierung vieler weiß. Klemperer und Witkowski waren nicht religiös. Sie sahen sich nicht als Juden und betrachteten die deutsche natürlicherweise als Teil ihrer Geschichte. Deshalb spreche ich von der religiösen Herkunft, den jüdischen Wurzeln. Klemperer und Witkowski wurden erst durch gelbe Sterne zu Juden gemacht.

Es gab auch eine jüdische Kultur, aber die genannten Buchkünstler wurden nicht aus dieser bekannt, sondern weil sie allgemeingültig bedeutende Werke schufen.

Ich sprach von Schrift- und Buchkünstlern, nicht vom grafischen Gewerbe, zu dem ja auch die Lagerarbeiter in den Zeitungsdruckereien gehören. In der Buch- und Schriftkunst selbst, also im künstlerisch-akademischen Teil der Angelegenheit, auch in den sehr aktiven Bibliophilen-Verbänden, war der Anteil der Menschen jüdischer Herkunft mit Sicherheit proportional größer zur Gesamtmenge der Deutschen jüdischer Herkunft als jener der Deutschen ohne jüdische Wurzeln im Verhältnis zu deren Gesamtzahl. Ihre Zahlenangabe unterstreicht das überdeutlich.

Die Konstruktion der jüdischen Rasse und deren angestrebte und größtenteils verwirklichte Vernichtung hat die Buchkunst schwer beschädigt, und es wäre interessant, darüber Details zu erfahren. Die Literaturwissenschaftler Witkowski und Klemperer erzählen davon, wie unsäglich es an den Hochschulen und Akademien zuging, wie sich plötzlich, gleich 1933, die schwächsten Denker aus der dritten Reihe mit einem NSDAP-Parteibuch in die Lehrstühle schwangen und die "jüdischen" Kollegen vor die Tür setzten.
  Martin Z. Schröder · 16. 10. 2009 ·
 
6.     Ja, aber genau hier liegt für mich der Widerspruch in Ihrer These. Sie sprechen von einem überproportionalem Anteil unter den künstlerischen Akademikern jüdischer Herkunft.

Bitte definieren Sie "jüdische Herkunft". Welche Bedeutung legen sie da hinein? Es würde doch nur Sinn machen, wenn man eben die Gruppe als jüdisch definiert. Aber wie definiert sich "jüdisch"? Angehörige des "auserwählten Volkes"? Damit wären wir ja genau bei der Gruppenzuordnung, die ich nicht akzeptieren möchte. Oder Angehörige der jüdischen Religion? Wie Sie selbst sagen, waren viele der von Ihnen Genannten nicht gläubig. Und selbst wenn sie alle gläubige Juden gewesen wären, dann würde das dochbedeuten, daß sie aufgrund ihrer jüdischen Religion eine gemeinsame Eigenschaften hatten, die sich in der von ihnen produzierten Kunst widerspiegelt. Auch hier gäbe es dann eine, halt religiöse, Gruppenzuordnung.

Kann es sein, daß Sie "Angehörige des jüdischen Volkes" meinen? Unabhängig ob ihrem Religionsbekenntnis? Das wäre, mit Verlaub, ein völkischer Ansatz. Entspräche dies der Definition, hätte man einen Ansatzpunkt für eine Art Basis, von der man augehen kann. Aber es wäre halt schon eine recht bedeutsame Entscheidung, so scheint mir.

Wie sahen bzw. sehen das denn die jüdischen Künstler selbst?
  Georg Kraus · 16. 10. 2009 ·
 
7.     Die Zuordnung ist doch erst durch die historische Tatsache der Rassenideologie zum Faktum geworden. Klemperer schildert, wie er sein Judesein 1933 zwangsweise "entdeckt". Witkowski war christlich getauft. Diese beiden sind mir durch ihre großartigen Bücher in Erinnerung. Es wurden aber sehr viele Menschen umgebracht, nur weil sie jüdische Vorfahren hatten. Diese absurde Kategorie ist von den Nationalsozialisten eingeführt worden, diese Kategorie sollte ausgerottet werden, und von dieser Kategorie müssen wir nun einmal reden. Oppenheim gehörte in diese absurde Kategorie, sein Glaube war unerheblich, seine Herkunft, seine Vorfahren machten ihn zum "Juden".

Man macht sich die Rassenideologie nicht dadurch zu eigen, daß man die Tatsachen nennt. Bis zum Durchgreifen des Nationalsozialismus war Klemperer und Witkowski ihr Judentum schnurzpiepe. Nimmt man nun die Kategorie der Nationalsozialisten und ihren Feldzug gegen das Jüdische zur Grundlage für Berechnungen, kommt man eben darauf, daß sich unser, also das deutsche geistige Leben ohne die Menschen mit jüdischen Vorfahren recht dünn ausnimmt.

Sie können ja heute mal 50 Prozent der Oberschicht im Geiste tilgen, dann haben Sie das Bild einer deutschen Großstadt im Jahre 1944. Wenn "Geo" recht hat. Heute müßte man freilich andere Kategorien erfinden, denn Menschen jüdischer Abstammung gibt es ja nur noch wenige.

Also: die Schriftkunst und Typografie ist durch die Vernichtung der Juden durch den Nationalsozialismus schwerst beeinträchtigt. Daß es dazu keine Bücher gibt (oder?), aber die angeblichen Vorzüge von Schriften mit sehr deutschen Namen diskutiert werden, wirft das Licht auf eine ungesunde typografische Welt.
  Martin Z. Schröder · 16. 10. 2009 ·
 
8.     Vielleicht ist das, wie ich es sehen möchte, eine Assimilation. Ein Klemperer hatte zwar jüdische Wurzeln, empfand sich aber als durch und durch deutsch. Daß er auch seinen jüdischen Glauben niederlegte, ist für mich dabei völlig unerheblich. Glaube ist Privatsache und sollte gesellschaftspolitisch keine Relevanz haben. So wie Klemperer bekannten sich sehr viele Juden zur Deutschen Nation und wurden im deutschen Volk assimiliert. Sie gingen darin auf. So, wie zehntausende Kaschubowskis und Willimskis im Ruhrgebiet. Nach ein, zwei Generationen spätestens waren das Deutsche, auch, wenn sie zuvor aus Polen kamen. Daß sie dabei ihre Wurzeln nicht vergaßen und zum Teil auch die Kultur ihrer alten Wurzeln pflegten, war ihnen unbenommen.

So gesehen, gab es für diese Menschen keinen Bezug mehr zu einem "jüdischen Volk", sondern die Zugehörigkeit beschränkte sich, wenn überhaupt, auf die Religion. Und die war und ist Privatsache.

Sieht man es unter diesem Gesichtspunkt, dann wird um so krasser deutlich, wie unsinnig die Rassenlehre der Nationalsozialisten war. Sie übernahmen die religiöse Definition der Religionsgemeinschaft der Juden vom "Auserwählten Volk" und setzten negative Vorzeichen. Erst, indem sie diese Gruppe definierten, boten sie die Möglichkeit, diese anzugreifen. Verstehen Sie, wie ich das meine? Wenn wir nun von "jüdischer Kultur" sprechen und damit Künstler meinen, die in dieser Epoche gewirkt haben am Kulturgut der Deutschen, dann übernehmen wir die Definition der Nationalsozialisten. Rutschen so automatisch in eine Position, eben diese Künstler rechtfertigen zu müssen. Was ich für völlig überflüssig halte, denn sie waren Deutsche, deren Wurzeln halt im Jüdischen lagen, so, wie die Wurzeln des Opa Kaschubowski im polnischen Teil der Masuren.

Interessant wäre es für mich wirklich zu erfahren, wie heutige jüdische intellektuelle das sehen. Leider kenne ich keine, die ich fragen kann.

Von meinem, nationalen Standpunkt aus kann ich mit meiner Definition bestens leben. Denn nach der standen deutsche Juden in vollem Maße mitten unter uns Schulter an Schulter in der deutschen Volksgemeinschaft.

Ich weiß wirklich nicht, ob es mir gelungen ist, meinen Standpunkt zu erläutern.
  Georg Kraus · 17. 10. 2009 ·
 
9.     Nein, jedenfalls mir nicht. Bei "deutscher Volksgemeinschaft" sehe ich eine andere Gemeinschaft als Sie. Nämlich jene, die dafür gesorgt hat, daß Sie heute keinen jüdischstämmigen Intellektuellen kennen.

Ich wiederhole mich: Die Definition, was ein Jude ist, müssen wir von den Nationalsozialisten übernehmen, weil wir anders nicht über den Mord an den Juden sprechen können. Wenn wir annähmen, es gäbe die Kategorie nicht, können wir ja das Verbrechen nicht mehr beim Namen nennen. Das neue, 16bändige Grundlagenwerk von Aly, Heim, Herbert u.a. (Oldenbourg-Verlag) heißt: "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 ? 1945". Rassismus setzt Definitionen in die Welt, da wird eine Herkunft oder eine Hautfarbe ein Kriterium, das Nicht-Rassisten bis zu diesem Punkt keines war. Um Religion ging es den Nazis nicht, sondern um die Rasse, die sie dafür erfunden haben. Sie haben keine "religiöse Definition übernommen", wie Sie schreiben, sondern eine Rassenlehre entwickelt, die mit der praktizierten Religion nichts zu tun hatte, sondern nach Stammbaum aufgebaut war.

Wenn man heute mit derselben Willkür alle Asiaten aus dem Land räumen würde und das genetisch ohne zeutliche Begrenzung in einer Rassenlehre begründen, wozu man ja keine Stammbaumnachweise mehr brauchte, würde zum Beispiel ich rausfliegen, weil ich der Y-Haplogruppe N angehöre. Die Urheimat von N liegt wahrscheinlich in Südost-Asien und hat sich von dort "im Uhrzeigersinn" verbreitet: zunächst nach Norden über das Altai-Gebirge, dann nach Westsibirien, dann mit den finno-ugrischen Völkern nach Nordwest-Europa und schließlich ins Baltikum.

Daß die Rassenlehre Unsinn ist, darüber sind wir uns einig. Wie erheblich sie der deutschen Buchkunst geschadet hat in Folge des millionenfachen Mordes, ist, soviel ich sehe, nicht beschrieben worden. Es gibt stattdessen ein dürftiges Buch über die Symbolsprache des deutschen Nationalsozialismus. Und es gibt "Debatten" über Schriften scheinbar gotischen Typs mit deutschnational geprägten Namen. Daß an Hochschulen von typografischer "Wissenschaft" phantasiert wird im Lichte solcher Mißverhältnisse, erscheint mir lächerlich. Typografie ist ja durch die Bindung an die Konvention eine historische Angelegenheit, an den Hochschulen ist man daran aber nur mäßig interessiert. Deshalb wissen wir nichts über Oppenheim, und man muß sich fragen lassen, ob sich darin nicht ein erfolgreiches Fortwirken des Rassismus' der deutschen Nationalsozialisten zeigt.
  Martin Z. Schröder · 17. 10. 2009 ·
 
10.     Tut mir leid, aber ich weigere mich einzusehen, daß es kein deutsches Volk geben darf, weil in dessen Namen in 12 von rund 1.000 Jahren Unrecht geschah. Wäre dies richtig, gäbe es keine Völker mehr. Deutschland war und ist soviel mehr als 12 Jahre Nationalsozialismus. Das ist es zwar, was uns die Guido Knopp-Industrie glauben machen will, aber auch muß man fragen dürfen: Warum? Wem nutzt das? Uns Deutschen sicher nicht.

Ich brauche keinen Guido Knopp, um Recht von Unrecht unterscheiden zu können. Und ich brauche ihn auch nicht, um ein anständiger Mensch zu sein und gleichzeitig national gesinnt zu sein. Beides ist kein Widerspruch.

Ja, auch mich interessiert das Verbleiben eines Typographen Oppenheims brennend. Und ich wunderte mich auch über die dürftigen Informationen, die ich fand "gestorben in Berlin 1936). Mich interessieren immer auch genau solche Privatissima von Typographen. Was trieb einen Rudo Spemann dazu, sich 1939 als Freiwilliger zur Wehrmacht zu melden?

Und als Paradoxon empfinde ich es dennoch, wenn Sie schreiben "Die Definition, was ein Jude ist, müssen wir von den Nationalsozialisten übernehmen, weil wir anders nicht über den Mord an den Juden sprechen können."
Warum sollten wir ohne Übernahme deren Definition nicht auf deren hirnrissige Rassenlehre hinweisen und darauf, wohin genau dieser Wahnsinn geführt hat? Einschließlich auf die Verantwortung, die wir als deutsche Nachkriegsgeneration haben? Aber auch einschließlich unserer Wahrung des Menschenrechtes auf Volks-Identität und Volks-Souveränität.

Warum,bitte, muß ich zustimmen, mein eigenes Volk auslöschen und negieren zu müssen, um für den Mord an den Juden zu sühnen? Dies werde ich nicht tun.
  Georg Kraus · 17. 10. 2009 ·
 
11.     Nur um Mißverständnisse zu klären: Die Definition, was ein Jude ist, meine ich natürlich im Kontext mit dem Judenmord. Für mich sind Juden so Juden, wie Christen Christen sind. Witkowski war für mich ein Christ, aber wenn ich seine Verfolgung erklären will, geht das nur mit dem Hinweis auf sein durch die Nazis festgestelltes Judesein.

Von Negation der deutschen Nation war hier bislang nicht die Rede. Nur kann ich als Enkel von Deutschen, die den Judenmord stillschweigend hinnahmen, mit Nationalstolz nicht mehr viel anfangen. Was soll das denn für eine alberne Nation sein, die die Welt beherrschen und Völker nach Rassegesetzten ausrotten will?

Der Nationalstaat an sich ist bestimmt eine Voraussetzung für ökonomischen Erfolg gewesen und ist es vielleicht auch heute noch als Konkurrenzmittel, und als Deutscher bin ich an meine Muttersprache gebunden, darüber hinaus ist mir die deutsche Nation recht gleichgültig. Deutsche Kultur, aber ja. Deutsche Küche, kann ausgezeichnet sein. Deutsche Ordnung, sie steckt mir manchmal in den Knochen. Deutsche Nation, dafür reicht mein Verstand nicht aus.

Ich lehne keine Nation ab, ich kann aber auch keine feiern, mein Patriotismus ist konkret und lokal, und selbst der steht auf tönernen Füßen. Aber das sind wieder andere Themen.

Wenn Sie etwas über Oppenheim erfahren, werden Sie es Ihre Leser sicherlich wissen lassen. Ich gehe nun an die Druckpresse (amerikanische Erfindung, deutsches Fabrikat).
  Martin Z. Schröder · 17. 10. 2009 ·
 
12.     Lieber Herr Kraus,

das Leben ist so kompliziert. Und was wir so sehr zu lernen haben, ist, die Widersprüche zu ertragen.

Es ist ehrenwert und rührend für uns Deutsche den ?völkischen? Ansatz im Denkgebäude zu negieren. Und als Kosmopolit (der ich gern wäre) fällt es mir auch einigermaßen leicht.

Allerdings, Herr Kraus, müssen Sie auch, schon damit Ihnen der Kopf nicht zerspringt, den völkischen Ansatz in der Betrachtung ?Aber ich bin doch ein Deutscher? erkennen. Was soll denn das sein? Ein Deutscher? Christlich-abendländische Wurzeln?

Nein, ich bin da kein Besserwisser. Ich weiß da überhaupt nichts besser. Aber es hat nun mal in der Kulturszene weitaus mehr Juden gegeben als Deutsche. Oder eben Menschen mit jüdischen Wurzeln als mit deutschen Wurzeln. (prozentual natürlich!)

Aber, verflixt, was sind denn das für Wurzeln, die ja immerhin so deutlich keimen, dass man sich schon viel Mühe geben muß, um sie zu übersehen.

Ich habe auf die Katastrophe, die Ihre und meine Eltern verursacht haben, anders reagiert als Sie. Ich wollte überhaupt kein Deutscher sein. Überhaupt nicht. Ich wollte mich einfach als Erdenbürger fühlen. Und meine Mitmenschen genau von diesem Standpunkt aus betrachten. Und ich meine entdeckt zu haben: Die Idioten sind tatsächlich gleichmäßig verteilt.

Aber mit dem Alter denkt man vielleicht etwas langsamer. Man sieht aber schärfer. Und immer mehr sehe ich doch: Natürlich bin ich deutsch. Ob es mir gefällt oder nicht.

Und das impliziert natürlich eine gewisse Anerkennung der Eigenart jedes (ich mag es nicht einmal schreiben!) Volkes. Ob es mir gefällt oder nicht!

Und es liegt ja eine große Aufgabe darin, jeden Menschen der Welt, also auch jedes Volk, in der neuen globalen Welt wertzuschätzen und willkommen zu heißen! Aber ohne Betrachtung und Auseinandersetzung ist auch das nur sinnloses Gutmenschentum.

G. Voost
  G. Voost · 17. 10. 2009 ·
 
13.     Hier habe ich zufällig sehr interessante Verweise zu Werken von Louis Oppenheim gefunden. Leider aber auch keine Angaben über seinen Verbleib nach 1936.

http://www.dhm.de/ausstellungen/kunst-kommerz-visionen/werkverzeichnis1.htm#oppenheim
  Georg Kraus · 03. 11. 2009 ·
 
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