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Lieben Sie Garamond?


28.11.2009

 Die kursiven Versionen von Antiqua-Schriften der Gruppe II — Französische Renaissance-Antiqua,  wirken oft verspielt und haben somit eine völlig andere  Wirkung als die normal gestellten. Wie bereits in einem Beitrag beschrieben, gibt es recht viele Garamond-Schriften verschiedener Schriftgießereien. In meiner Schriftensammlung hier auf der Netzseite zeige ich die Garamond von Monotype, TypoArt, Stempel und der Lettergijterie Amsterdam. Und bald kann ich auch noch eine Garamond der Schriftgießerei Johannes Wagner, Ingolstadt, zeigen, die wohl gerade auf dem Postweg zu mir ist.

 Die Andrucke zeigen die drei Garamond Kursiv-Versionen, die ich bisher hereinbekam. Die von der Schriftgießerei Monotype stammt aus dem Jahre 1922, die von Stempel von 1927 und die der Schriftgießerei TypoArt, Dresden ist mit einem Erstguß-Jahr 1955 die jüngste und, wie ich meine, auch die schönste. Sie wurde von Herbert Thannhaeuser geschaffen. Dieser Typograph war der führende Schriftgestalter in der DDR. Aber auch schon im alten Deutschen Reich war er für die Schriftgießerei Schelter & Giesecke tätig, für die Schriftguß AG (beides Schriftgießereien, die in der DDR zwangskollektiviert und in der neu geschaffenen Schriftgießerei TypoArt vereint wurden, dessen künstlerischer Leiter Herbert Thannhaeuser wurde). Mehr Informationen über Herbert Thannhaeuser finden Sie auf Wunsch hier: KLICK.

 Die TypoArt-Garamond ist nach meiner Meinung sein schönstes Werk. Vor allem die Kursive hat es mir angetan mit ihren vielen Sonderfiguren und Alternativ-Lettern. Hier beißt sich nun in mir das Gefühl für Schönheit und mein pragmatischer Sinn für die Praxis. Ja, die TypoArt-Garamond kursiv ist schöner als die von der Stempel AG. Aber sie ist nicht mehr lieferbar. Zwar tauchen immer einmal wieder Restbestände als original verpackte Neuschriften auf. Aber die TypoArt gibt es nicht mehr. Die Schriftgießerei D. Stempel jedoch produziert bis heute Bleisatz-Schriften. Und die Stempel-Garamond kann jederzeit nachbestellst werden — in allen Graden und Versionen.

 Die Abbildungen zeigen von oben nach unten die Garamond-Schnitte von den Schriftgießereien Monotype, D. Stempel und TypoArt. Welche gefällt denn Ihnen am besten? Ach übrigens... hier ist noch ein Photo der Original-Bleilettern einer 36 p Garamond kursiv. Na? Welche Garamond kursiv ist es denn? Können Sie die Schrift klassifizieren? Es warten 100 Punkte auf Sie. Tragen Sie die richtige Antwort als Kommentar ein. :-) (Ich krieg' Euch noch zum Web 2.0).


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Kommentare
1.     Also gut, ich gebe mich geschlagen...

Das Bild zeigt die auf der mittleren Abbildung von Ihnen gezeigte und als Stempel-Garamond bezeichnete Schrift. Direkt erkennbar an den vielen alternativen Schmuck-Versalien. Was mich etwas wundert ist, dass Sie dies' besonders bei der TypoArt-Garamond erwähnen.

Gott grüß' die Kunst
Thomas Kersting
  — Thomas Kersting · 14. 10. 2009 ·
 
2.     Ich hatte ganz vergessen meinen Favoriten zu benennen.

Seit den siebziger Jahren habe ich regelmäßig die DDR besucht und schon damals mit einem Trabant. Ich erinnere mich noch gut an Helmstedt, wo ich bei der Einreise aus einer Reihe von BMWs und Mercedes nach vorne herausgewunken wurde und ich ? während die BMWs und Mercedes auseinandergenommen wurden ? mit einem Bullen von DDR-Grenzbeamten darüber diskutierte, warum ich in der BRD kein besseres Auto gefunden habe. Außerdem sei die Einfuhr von Eisenbahn-Zeitschriften verboten. Auf meinen Hinweis, dass per Post immer alle Zeitschriften angekommen waren, wünschte er mir einen guten Aufenthalt mit den Zeitschriften. Bei der Ausreise wurde ich vom gleichen Grenzbeamten wieder aus der Schlange herausgewunken und war nach Nachfragen, ob ich meine Züge gefunden habe, mit meinem Trabant dann schnell Richtung BRD unterwegs... Zwischen den Wachtürmen im Grenzstreifen Richtung Westen hatte ich allerdings doch Bedenken, ob mit als "Republikflüchtling" nicht doch der Trabi unterm Hintern weggeschossen wird.

Jetzt bin ich etwas abgeschweift. ? Jedenfalls habe ich mich immer über den konsequenten Gebrauch der altehrwürdigen Futura (was wohl die Super-Grotesk war) in der DDR gefreut, während wir hier im Westen damals unbedingt Helvetica/Arial, Univers, Folio benutzen mussten. Jetzt sehe ich bei der TypoArt-Garamond die gleiche mutige und geniale Plazierung der Punkte bei den Umlaut-Versalien, insbesondere beim "Ü", wie bei der TypoArt-Super-Grotesk, die ich glücklicherweise für meine Linotype als 6 Pt, 8 Pt und 10 Pt Matrizensätze habe und bevorzugt nutze.

Daher kann mein Favorit nur die TypoArt-Garamond sein!

Mein Stadtauto und Lieferwagen ist auch heute der Trabant.

Gott grüß' die Kunst
  — Thomas Kersting · 14. 10. 2009 ·
 
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