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In Ulm, um Ulm und um Ulm herum


28.11.2009

 76.900 Treffer erzielt eine Google-Suche nach dem Zungenbrecher in der Überschrift. Und einer der dort angezeigten Links führt zu der in der vierten Generation betriebenen Druckerei, deren Bleisatz-Bestand wir gerade übernehmen. Der kommt gerade richtig, denn bis zum Wochenende werde ich den Eremiten-Bestand komplett aufgearbeitet und ins Online-Magazin zum Verkauf eingestellt haben. (Es gibt dabei übrigens noch die eine oder andere Überraschung, einige „Spezis“ unter den Eremiten-Schriften hatte ich mir für den Schluß aufbewahrt, um sie dann erst zu klassifizieren.)

Eine Setzerei, die über vier Generationen betrieben wird, hat zwangsläufig so manche Schätze in den Schränken. Da muß ich zuvor nicht hinfahren, um den Bestand zu besichtigen. Da reicht ein Gespräch mit dem Inhaber. 1929 gegründet, werden wir im Bestand viele Gebrochene Schriften vorfinden. Und alte, nicht konfektionierte Satzschränke, also Unikate. Wer es schafft, sich über vier Generationen im Markt zu behaupten, der wird auch immer dem Zeitgeschmack gefolgt sein, auch in Bezug auf den Schrifteneinkauf. Also können wir uns auf die schönsten Schriften freuen, die in Deutschland zwischen 1929 und 1980 geschaffen wurden. Danach lief der Bleisatz aus, man stellte nach und nach auf Offsetdruck um.

 Zum Bestand gehört auch eine Andruckmaschine, Marke Aspern, Modell R1, Baujahr 1956, ein Halbautomat. Allerdings vermute ich, daß sich auch noch eine „Nudel“ finden läßt. Lange Zeit hat man mit Linotypes Maschinensatz hergestellt. Die Maschine selbst existiert nicht mehr. Aber auf dem zweiten Bild sieht man hinten einen Magazin-Schrank für die Linotype-Matrizen. Man wird sehen.

Im Jahre 2003, als ich mit dem Sammeln von Bleisatz-Schriften begann, wäre an die Übernahme eines solchen Bestandes kein Denken gewesen. Es handelt sich hier um 24 Schränke voll mit Bleisatz mit einem Gesamtgewicht von ca. 12 Tonnen. Für den Abtransport braucht man einen 40-Tonner Lkw. Aber zunächst einmal müssen die Schränke auf die Paletten gestellt werden. Das bedeutet, man muß immer erst alle vollen Schubladen aus dem Schrank herausnehmen, das Schrankgestellt auf die Palette stellen und dann die Schubladen wieder hineinschieben. Erst dann kann man die Palette mit dem Schrank irgendwohin zwischenlagern, nachdem man sie zuvor eingestretcht und mit einem Spanngurt gesichert hat. Nicht auszudenken, wenn sich die Schubladen bei der Fahrt selbständig machen.

 Man braucht also entsprechende Logistik und Leute, die fest anfassen können. Und wenn der 40-Tonner dann hier ankommt, ginge das auch nicht, wenn ich das hier noch im Keller des Einfamilienhauses betreiben würde, wie noch 2006. Ein 40-Tonner braucht Platz. Er hat keine Hebebühne, man braucht also einen Gabelstapler und einen einfachen Hubwagen, damit der Fahrer im Kasten drin die Paletten zum geöffneten Ende des Kastens bringen kann. Dieser Bestand sichert die Finanzierung meiner Kosten bis Ende des Jahres. Das ist ein gutes Gefühl. Manchmal wünschte ich mir, irgendwo Angestellter zu sein. Zu wissen, am nächsten Ersten kommt mein Gehalt und ich davon kann ich alle meine Kosten bezahlen und dann auch noch halbwegs gut leben. Aber mittlerweile haben Angestellte auch nicht mehr Sicherheit als ein Angestellter. Ach, was soll das Grübeln? Et is noch immer jot jejange...

 


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Kommentare
1.     Lieber Händler aller Händler schöner Bleisatz-Artikel,
wie bekommen Sie eigentlich immer diese Kontakte? Kennen Sie soviele Druckereien in ganz Deutschland? Soviele Schränke, unglaublich, Glückwunsch.
Gruss
Sven
  — Sven · 18. 11. 2009 ·
 
2.     Guten Morgen Sven,
nö... soviele Druckereien kenne ich nicht. Schon gar nicht welche, die noch Bleisatz haben. (Alles schon abgegrast :)

Nicht ich finde diese Druckereien, sondern die Druckereien finden mich. Vermutlich über das große Weltnetz. Geben Sie doch einfach einmal Bleisatz bei Google ein ;-)

Aber es ist ja auch gut so. Die böseste Konkurrenz für mich sind "Fliegende Schrotthändler", die gezielt die Druckereien abfahren und nach Bleisatz fragen. Die zahlen oft "cäsh inne täsch", also Schwarzgeld. Da kann ich nicht mithalten. Möchte ich auch gar nicht. Stattdessen appelliere ich fast immer mit Erfolg an die Drucker, das schöne alte Zeugs doch bitte zu bewahren und nicht zum Verschrotten zu geben.

Ich glaube, das Haupt-Proargument für mich ist tatsächlich diese Netzseite hier. Niemand kann sich über Jahre verstellen und hier kann man ja bis 2003 zurücklesen, daß und warum ich den Bleisatz liebe und was ich damit mache.

Gott grüß die Kunst

Georg Kraus
  Georg Kraus · 18. 11. 2009 ·
 
3.     Und wenn ich mal gefragt werde, ob ich Bleisatz übernehmen will, rate ich meistens zum Kontakt mit dem Bleisatz-Magazin. Denn wenn die Sachen hier im Verkauf landen, bekomme ich klare Auskünfte, welche Schrift in welcher Menge in welchem Zustand angeboten wird. Denn Angebote zu prüfen, die dann lauten: "Ich hab hier zwei Schränke mit Schriften geerbt, keine Ahnung, was das ist, aber es sieht toll aus." fehlen mir Zeit, oftmals auch Kenntnis und die Logistik. Herr Kraus findet ja zu allen Schriften auch Namen und Herkunft, Dank seines Archivs und Netzwerkes. Da käme ich nicht mit. Also vermittle ich hierher und kaufe dann ggf. gepflegt hier ein, ohne Streß mit Schrott, abstrusen Preisvorstellungen, unbekannten Schriften und dergleichen, das man von weitem nicht ahnt.
  Martin Z. Schröder · 18. 11. 2009 ·
 
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