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Gastbeitrag: Diana dem Sterbebett entrissen
Auch in der damaligen Zeit scheiterten neue Projekte oft an der Finanzierung. So erarbeiteten sich die beiden zunächst einmal im väterlichen Schlosserbetrieb des Klein sen. das notwendige Kapital. Im Jahr 1847 war es dann soweit: Die beiden erhielten den Auftrag zum Bau einer „Johannisberger Schnellpresse“ von der Wiesbadener Hofdruckerei Schellenberg — die Maschinenfabrik Johannisberg ging an den Start.
Die Johannisberger Schnellpressen dominierten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen expandierenden Markt zum einen wegen der durchdachten, neuen Technik, die eine immens gesteigerte Druckgeschwindigkeit erlaubte, aber auch wegen der zur Verfügung stehenden Druckformate, die die Produktion von Plakaten möglich machte. Man muß sich vor Augen halten, daß das Plakat — neben der klassischen Zeitungs-Announce — das gängige Werbemittel für neue Produkte in allen Branchen darstellte. Fernsehen und Rundfunk gab es ja noch nicht. Die Johannisberger Schnellpressen setzten Maßstäbe. Und das faszinierende für uns heute dabei ist, daß diese Schnellpressen, sofern noch vorhanden und von Fachleuten oft in mühevoller Kleinarbeit restauriert und, aus historischen Authentizitäts-Gründen, zurückgebaut auf den Orginal-Auslieferungszustand, immer noch brav ihren Dienst tun.
Vor einigen Jahren hörte ich mehr gerüchteweise, daß irgendwo im norddeutschen Raum noch ein Johannisberger Stoppzylinder, eine Schnellpresse Modell Diana, Baujahr 1927 in Betrieb sein solle (Johannisberger Baureihe 1924 bis 1939). In einem alten Fachbuch fand ich sogar eine alte Zeichnung genau dieses Maschinen-Typs. Nach vielen Telefonaten und Recherchen habe ich den Besitzer ausfindig machen können. Nachdem wir einen Besuchsermin vereinbart hatten, war ich schon ganz aufgeregt dieses Gerät endlich zu sehen.
Ich bedanke mich für die kollegiale Unterstützung und die Gelegenheit, hier auf Georgs Webseite diese tolle Maschine vorstellen zu können. Wir Norddeutschen sind nicht so die begabten Redner, wie der Kollege Kraus als Rheinländer das hier in seinem Blog tagtäglich unter Beweis stellt. Deshalb dachte ich mir: Laß Bilder sprechen... Die folgende Fotostrecke zeigt die einzelnen Etappen des Abbaus der Maschine und die Verbringung zum Anhänger. Herbert Wrede
Sag' mal Herbert... als Ihr damals in der Nordsee und Ostsee die Vitalien-Brüder gejagt habt und Klaus Störtebeker... wer hat Euch damals eigentlich die Geschichten dazu geschrieben? Euch selbst hätte wahrscheinlich ein Vierzeiler gereicht. Gib zu: Ihr habt einen Rheinländer als Autoren für diese wunderschönen norddeutschen Sagen einfliegen lassen und mit dem Schreiben beauftragt... Du hast ganz vergessen zu erzählen, daß die Maschine seit Jahrzehnten im Obergeschoß eines Hinterhauses praktisch eingemauert war. Daß Ihr mit schwerem Gerät die Maschine aus dem Zementsockel habt herausbrechen müssen, der um sie herum gegossen worden war — warum eigentlich? Wegen des Risikos der Vibrationen? Hätten die vielleicht die Statik des Hauses gefährdet? Nur so eine Idee... Und daß Ihr das Fenster habt ausbauen müssen, um dann die Maschine mit einem Hochkran aus dem Fenster heraus und über die Häuserzeile hinweg habt heben müssen. Hast Du ganz vergessen, mh? Wohl nebensächlich für einen Norddeutschen. Hauptsache, das Ding steht wohlbehalten auf dem Hänger, was? :-) Tolle Leistung, ich bin ehrlich begeistert. Georg
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