|
 |
 |
 |
Einzelverkauf der Eremiten-Setzerei
Bisher läuft der Abverkauf genau so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Aufgrund des Blog-Eintrages haben sich genau die Kunden gemeldet und Bedarf an sehr speziellen Teilen angemeldet, die auch ich schon zuvor als potentielle Kunden ins Auge gefaßt hatte.
Noch einmal kurz zusammengefaßt: Der Schriftenbestand der Eremiten-Presse, den ich vor einigen Monaten übernommen habe, stellt etwas ganz besonderes dar. Die beiden Eigentümer hatten bei der Auswahl der Schriften nicht nur einen wirklich exquisiten Geschmack gezeigt, sondern die Lettern auch sehr gut gepflegt und behandelt. Aufgrund des Umstandes, daß diese Lettern niemals für den Fortdruck (also für den Druck der Gesamtauflage) genutzt wurden, konnte ich den Zustand durchgehend zwischen 1 (unbenutzt), über 1- (benutzt, aber neuwertig) bis 2 (benutzt, bestens erhalten) bewerten. Ich möchte gerne Ihre Aufmerksamkeit auf die ersten Arbeiten mit Vignetten und Materialien aus dem Eremiten-Bestand lenken. Martin Z. Schröder — Schriftsetzer-Kollege und Buchdrucker mit Leidenschaft, berichtet in zwei Blog-Einträgen über die von ihm erworbenen Teilbestände: Zum einen kommen diese Zier-Initialen in einer Größe von 12 Cicero x 4 Cicero als Galvanos zukünftig beim Kollegen Schröder zum Einsatz. Sie stammen aus der Zeit vor dem Großen Weltenbrand um 1905 bis 1911 herum. Schauen Sie, wie wunderschön sie nach der Reinigung ausschauen. Hier auch noch ein erstes Anwendungsbeispiel.
Darüber hinaus verfügt zukünftig MZS zukünftig über den Buchschmuck der Eremiten-Presse KLICK. Auch Teile des Garamond-Bestandes sind bereits verkauft. Weil ich an diesen Schriftschnitten seit gestern arbeite, hatte ich geplant, die ersten zum Verkauf angebotenen Schriftschnitte komplett hier vorzustellen. Aber das geht nicht. Sie sind heute im Laufe des Tages bereits verkauft worden, ohne daß der Käufer den üblichen täglichen Rundbrief abgewartet hatte. Hier ein Tipp, damit Ihnen nichts durch die Lappen geht: Schauen Sie einfach abends einmal ins Online-Magazin und wählen Sie die Anzeige-Option: "In den letzten 3 Tagen eingestellt." So sehen Sie mit rund zwölf Stunden Vorsprung, was am frühen Morgen dann im abonnierten Rundbrief als neu eingestellt angeboten wird. Auch morgen werde ich weitere Garamond-Schnitte einstellen, dazu eine Saltino von Karlgeorg Hoefer. Parallel nähere ich mich mit Umsicht den vielen Fraktur-Schnitten, die der Bestand enthält. Vielleicht noch ein Hinweis auf ein Angebots-Problem, das ich noch nicht habe entscheiden können: Wie Sie im Tagebuch-Eintrag bezüglich der Eremiten-Übernahme nachlesen können, gehören zum Bestand auch zwei Doppelschränke mit jeweils, glaube ich, 16 Setzkästen, also 32 Setzkästen mit kleinen Schriftgraden — sehr viel Fraktur, einige Antiqua- und Grotesk-Schnitte. Das Problem bei solchen Angeboten ist: Im Grunde genommen suchen alle Kunden solche kleinen Schriftgrade. Aber ich kann die Setzkästen nicht mitverkaufen, sonst wäre der Schrank nicht mehr komplett und somit unverkäuflich. Andererseits dauert das Herausnehmen eines Schriftgrades aus einem wohl gefüllten Setzkasten rund 2,5 bis 3 Stunden. Selbst, wenn ich meinen Stundensatz einmal sehr niedrig ansetze (was ich mir aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht leisten kann), müßte ich einem Kunden allein für diese Dienstleistung 50 Euro berechnen. Was den Preis pro Schriftschnitt entsprechend erhöhen und damit wahrscheinlich für einen Kauf uninteressant machen würde. Ein echtes Dilemma. Denn die Alternative hieße, diese wunderbar erhaltenen Schriften aus wirtschaftlichen Gründen zurück ins Blei geben zu müssen — also einzuschmelzen. Ja, ich weiß, daß nun so manchem Leser das Herz blutet — mir geht es nicht anders. Aber unser Herzleid (welch' sinnige Anspielung) interessiert letztendlich weder meinen Vermieter, noch die anderen Leute, die mir Rechnungen gestellt haben und bei aller Geduld auf eine Zahlung drängen.
Es gäbe eine Möglichkeit: Ich könnte die Schränke (Stückpreis leer ca. 400 Euro) inklusiv der Brotschriften (also der kleinen Schriftgrade in den Setzkästen) verkaufen. Die schmalen Steckschrift-Schubladen sind natürlich alle vorhanden. Darin ruhten die größeren Schriftgrade, die ich derzeit aus den Schubladen heraushole. Aber auch dann stellt sich die große Frage: Was wäre ein adäquater Preis für einen Doppelschrank, gefüllt mit Brotschriften dieser Qualität? Ich habe (noch) keine Antwort. Aber ich muß bald eine Entscheidung treffen. Es droht also die Sammeltonne für Altblei. Nun ja. Mal sehen. Vielleicht haben ja Sie eine Idee, wie ich das Problem lösen kann, ohne die Schriftschnitte zu vernichten?
< zum Inhaltsverzeichnis
Kommentare
|
| 1. |
|
Guten Abend,
habe ich richtig verstanden? Diese Schriften sind in den beiden Schränken drin (kleine Größen):
Schrank 1 ? Brotschriften
Stretta (Bauersche Gießerei) 8 p, 10 p, 12 p, 16 p
Sistina 16 p, 20 p
Wiener Grotesk 14 p, 20 p
Memphis normal 16 p
Memphis halbfett 16 p
Zentenaar-Fraktur mager 12 p, 16 p
Zentenaar-Fraktur halbfett 12 p, 16 p
Schmale Fraktur 20 p
Fette Gotisch 14 p, 16 p
Hansa-Fraktur halbfett 20 p
Zwei Kästen Dürer-Fraktur 12 p
Neuzeit-Grotesk 20 p
Neuzeit-Grotesk halbfett kursiv 20 p
Schrank 2 ? Brotschriften
Garamond (Stempel) 12 p, 2 x 14 p, 20 p
Garamond (Stempel) halbfett 14 p, 20 p
Garamond (Stempel) kursiv 14 p
Univers 45 (mager) 10 p, 14 p, 20 p
Le Cochin 6 p, 8 p, 10 p, 12 p
Und Sie wollen die Schränke mit den Schriften verkaufen?
Was soll denn die Schränke dann kosten mit den Schriften? Und verkaufen Sie auch einen Schrank oder nur beide zusammen?
Sie wollen die sonst echt wegwerfen??
MfG
Spieß |
| |
— Ernst Spieß · 06. 10. 2009 · |
| |
|
|
| 2. |
|
Gutten Morgen Herr Spieß,
ja, Sie haben richtig verstanden. Natürlich werde ich die Schränke auch einzeln verkaufen, die Brotschriftgrade beider Schränke gehören nicht zusammen, wie Sie an der Liste erkennen können.
Nein, "wegwerfen" würde ich die Lettern sonst nicht. Ich würde sie einschmelzen. Es ist einfach, zu moralisieren, wenn man selbst keinen wirtschaftlichen Druck verspürt. Was jetzt nicht als harsche Kritik an Ihrem Kommentar zu verstehen ist, sondern als Feststellung eines Faktums. |
| |
— Georg Kraus · 07. 10. 2009 · |
| |
|
|
| 3. |
|
Wie gerne würde ich einfach einen Schrank übernehmen, aber mir fehlt der Platz dafür. Ich habe eine Brotschrift im Kasten gekauft, den ich leer zurücksende. Ich habe ihn noch nicht ausgepackt, aber man kann so recht sicher versenden. Ich hatte auch erwogen, die Auslieferung in Tüten zu bestellen: Herr Kraus würde die Lettern aus den Kästen saugen und in Tüten abfüllen, diese beschriften, ich könnte die Tüten dann einfach ins jeweilige Fach meines Kastens schütten. Selbst wenn ich drei Stunden Kraus bezahle, ist der Gesamtpreis nicht so hoch wie zu der Zeit, als ich gußfrische Schriften von der Gießerei kaufte. Man muß sich klarmachen, daß eine Schrift bei guter Pflege (sanfter Druck, Reinigung mit weicher Bürste) und je nach Nutzung Jahrzehnte einsetzbar ist. Meine Druckerei besteht seit 1994, keine meiner Schriften, nicht einmal die gebraucht übernommenen, würde mich zu Überlegungen anregen, sie kippen zu müssen. Und ich würde mir die Stunden des Umfüllens selbst ja sparen.
Es lohnt sich, für Schrift Geld einzusetzen, es ist eine Investition, die sich anfangs sogar rasch und dann auf lange Zeit auszahlt. Die Preise von Kraus sind so günstig und so entfernt von den Preisen aus der Bleisatzzeit, daß man aus wirtschaftlichen Gründen keine Bedenken haben muß. Der Bleisatz wird auch nicht verschwinden, die Dinge werden nicht wertlos werden.
400 Euro für den Schrank bedeutet, er ist in einem einwandfreien Zustand. Ich habe einige Schränke von Kraus gekauft und schätze das Bleisatz-Magazin, weil die Zustands-Angaben so zuverlässig sind. Ich kaufe seit Jahren reklamationsfrei. Pro Kastenfüllung hätte man früher bis zu 1000 Euro ausgegeben, wenn ich mich nicht verrechne: Kilopreis 80 Euro, stark gefüllter Kasten 12 Kilo. Das ist heute nicht mehr zu machen, diese Rentabilität haben Bleisatzdruckereien nicht mehr, die Stückzahlen sind ganz andere gewesen, als der Bleisatz industriell eingesetzt wurde.
Aber wenn ich heute einen Schrank mit Brotschriften kaufen würde, die ich wirklich haben möchte und die sich in der Tagesarbeit rentieren, würde ich 2000 Euro für überaus günstig halten (100 Euro pro Kastenfüllung). Und alles darunter für ein großzügiges Geschenk. |
| |
— Martin Z. Schröder · 07. 10. 2009 · |
| |
|
|
| 4. |
|
Oh mein Gott, die Zier-Initialen sind ja einfach nur göttlich *-* Umwerfend schön!! |
| |
— Hannah · 10. 10. 2009 · |
| |
|
Einen Kommentar eintragen
|
 |
|
|
|