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Ausschluß-Sortiergerät
Ist eine Druckauftrag abgeschlossen, dann wird die Satzform entweder für Folgeaufträge archiviert oder aber die Satzform wird abgelegt, das bedeutet, sie wird aufgelöst in ihre einelnen Bestandteile. Klischees werden gesondert archiviert, dann werden die Messinglinine gezogen, danach die Hohlstege und Regletten. Letztendlich bleiben die Textzeilen übrig. Alle Zeilen müssen nacheinander aufgelöst werden, die größeren Schriftgrade kommen wieder in den entsprechenden Steckschrift-Kasten, die kleineren Schriftgrade, die Brotschriften, in die Setzkästen. So weit, so unvollständig. Zu all diesen Zeilen gehört immer auch Blindmaterial, der Ausschluß. Die benötigt man nicht nur zwingend für die Wortzwischenräume oder das Spationieren von Satzzeichen wie Ausrufe- und Fragezeichen, Kolon und Semikolon, sondern auch, um die Zeile zum zuvor bestimmten Satzformat aufzufüllen. Dazu verwendet man Quadraten, die in Konkordanzgrößen, also in 2-, 3- und 4-Cicero-Elementen vorliegen. Den Leerraum, der dann noch übrig bleibt, füllt man mit Ausschluß. Solchen Ausschluß gibt es in allen Schriftgrößen, besser: in allen Schriftkegelgrößen. (Denn eine 9 p Schrift benötigt keinen 9 p Ausschluß, denn sie ist immer auf 10 p Kegel gegossen). Zählen wir durch: 6 p, 8 p, 10 p, 12 p, 14 p, 16 p, 20 p, 28 p — dann kommen wir auf acht Kegel- und somit auch auf acht Ausschlußgrößen. Ausschluß ist weitestgehend in gleichen Größen vorhanden: 1 p, 1.5 p, 2 p, 3 p, 4 p, 6 p (Halbgeviert), 12 p (Geviert). Größere Grade beinhalten dann noch andere Ausschlußgrößen. Ach, und bitte verzeihen Sie mir, daß ich den Punkt statt des Kommas als Dezimaltrenner bei 1,5 p verwendet habe. Es wirkt sonst im aufzählenden Text oft so verwirrend. Wir haben also mindestens sieben Ausschluß-Elemente pro Kegelgröße. 8 x 7 = 56 verschiedene Ausschluß-Elemente bilden den Ausschluß des Schriftsetzers. 56 unterschiedliche Blindmaterial-Elemente können also in einer abzulegenden Satzform übrigbleiben, nachdem sie aufgelöst und auch die Schrift abgelegt wurde. Und von jedem Element können natürlich auch mehrere auf das Ablegen warten. Der Unterschied in der Stärke zwischen einem 2 p Element und einem 1,5 p Element beträgt einen halben Didot-Punkt = 0,188 mm. Nun ist ein Schriftsetzer sehr erfahren beim Erkennen der unterschiedlichen Ausschluß-Stärken. Dennoch muß das Ablegen mit äußerster Sorgfalt vorgenommen werden, denn sonst ist der Ausschlußkasten „verfischt“, also durcheinander und das wiederum erhöht die benötigte Fertigungszeit beim Setzen einer neuen Akzidenz ungemein. Das kann so weit gehen, daß die kalkulierte Zeit für das Setzen einer Akzidenz und somit letztendlich der dem Kunden genannte Preis nicht mehr ausreicht — eine fatale Situation. Ich habe viele Freitagnachmittage mit den Kollegen mit dem Ablegen in der Setzerei verbracht. Wir nannten das „das Wochenende einläuten“. Meist war dann relative Ruhe. Ruhe in einer Buchdruckerei bedeutet, daß man aus dem Maschinensaal das Zischen und Rumpeln der Tiegel- und Zylindermaschinen hörte (das Zischen kam von der Vakuumpumpe, mit der die Papierbogen angesaugt und zugeführt wurden. Ich habe irgendwo vom Kollegen Nessing aus Berlin einmal Maschinengeräusche als Mp3-Dateien erhalten, muß ich mal raussuchen und hier vorstellen. Ab und zu schrie ein Drucker irgendwelches dummes Zeug herum. Ja, das war so in den Buchdruckereien früher. Die Drucker waren wahrscheinlich halbtaub vom dauernden Maschinenlärm (Ohrschützer? Ah, wah...). Sie konnten sich nur schreiend unterhalten. Wobei... das reichte durchaus, steht ja sogar im Lexikon über Buchdrucker. Übrigens: Zum Ausgleich hier den Eintrag über Schriftsetzer.
Genial, nicht wahr?
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