Asträa — hier zunächst einmal die Fakten:
Gruppe VII - Antiqua-Varianten
Schelter & Giesecke
Erstguß 1894
Hausschnitt
Gesamtgewicht 8,0 kg
Zustand 3-
Archiv EREM/072
Inkl. Gußmarken an allen Lettern. Hierbei muß man wissen, daß es bei allen Schriftgießereien üblich war, die Lettern mit Gußmarken zu versehen. Erst die Einführung des Schnellgußverfahrens ließ die Gießereien davon abweichen, wobei gerade Schelter & Giesecke noch bis in die 20er Jahre hinein diese Technik beibehielt.
Astraea war die Tochter des Zeus und der Justitia in der griechischen Mythologie. Wikipedia — die demokratische und deshalb unzulängliche Daten-Wissensbank, in der immer nur die Wahrheit desjenigen gilt, der zuletzt editiert hat, teilt uns darüber hinaus mit, daß es einen Asteroiden im Astroiden-Hauptgürtel unseres Sonnensystems gibt, den Karl Ludwig Hencke am 8. Dezember 1845 entdeckt hat. Fast 40 Jahre zuvor waren die Asteoriden Ceres, Pallas, Juno und Vesta entdeckt worden. Was für ein herrlicher Name für eine Schrift.
In diese lichte Antiqua-Variante sind verspielte, recht feine Ranken eingearbeitet. Das Textmuster entstammt der Hauptprobe der Schriftgießerei Schelter & Giesecke aus dem Jahre 1812. Auch dort als reine Auszeichnungsschrift eingetragen, wird diese Schrift wohl auch damals sehr vom Standard abgewichen sein. Ich sehe sie auf Folianten, Prachtbänden zur Historie o.ä.
Was mich ungemein fasziniert, ist die Gewißheit, daß der Kollege, der diese Schrift im Jahre 1894, vielleicht 30jährig, in Händen hielt, eine so ungemein schöne und friedliche Epoche unseres Deutschlands hat erleben dürfen. Zur Zeit der Reichsgründung 1871 war er ein Kind von 7 Jahren, das Jahr 1914 hat er, so Gott gewollt hat, als 44jähriger erlebt und war damit wohl zu alt, um für sein Vaterland zu streiten im Großen Weltenbrand. Er lebte in der Wilhelminischen Zeit, als es die natürliche Ordnung noch gab. In welcher Offizin, unter welchem Meister hat er gearbeitet? Wie ungemein gern würde ich auch nur für einen Tag eine Zeitreise unternehmen, um als Mäuschen in seinem Hirn zu sitzen und die Welt mit seinen Augen zu sehen.